Bodenbelüftung - Der Erfolgsfaktor für jeden Rasenplatz

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Bodenbelüftung - Der Erfolgsfaktor für jeden Rasenplatz

Belüftungsarbeiten auf Sportplätzen im Zuge der Regeneration sind ein leidiges Thema; kosten sie doch viel Geld, das bei Vereinen und kommunalen Trägern immer knapper wird, und Zeit, die auch in der Sommerpause oft kaum noch zur Verfügung steht. Aber kann durch das Auslassen dieser Maßnahmen wirklich gespart werden? Und kann der Platz ohne weiteres das ganze Jahr hindurch ohne Ruhephasen belastet werden? Der folgende Artikel befasst sich mit der Belüftung des Bodens, nimmt einige Maßnahmen unter die Lupe und stellt deren Auswirkungen auf den Rasen dar.

Das Bild zeigt einen Sportrasen, der regelmäßig gedüngt, bewässert und hin und wieder vertikutiert wird. Wodurch kommt der mangelhafte Bewuchs zu Stande? Hier wurde über Jahre hinweg keine Belüftung und in diesem Zuge auch kein Bodenaustausch (Besandung) vorgenommen. Auf Grund des hohen Spielbetriebs und der damit einhergehenden Verdichtung sowie durch die jahrelange Anreicherung organischen Materials und dessen Zersetzung verkleinerten sich die Bodenporen. Das Verhältnis von Grobporen zu Feinporen, welches sich normalerweise die Waage halten sollte, wurde zugunsten der Feinporen gestört. Wasser, das im Zuge der künstlichen Bewässerung fortwährend zugeführt wurde, hielt sich deutlich länger im Boden und verdrängte den Sauerstoff.

 

In der Folge konnten die aeroben Bakterien das organische Material nicht mehr in ausreichender Weise zersetzen und es bildete sich eine dicke Schicht aus Rasenfilz. Die Wurzeln der Gräser drangen nicht mehr in tiefere Schichten vor und besiedelten nur noch die Filzschicht. Hierdurch nahm die Scherfestigkeit des Rasens stark ab und der Rasen war nun nicht
mehr in der Lage sich nach einem Spiel zu regenerieren. In groben Zügen geschildert bewirkte dies letztlich den Dauerzustand des Rasens wie er auf dem Bild zu sehen ist.

Die Grafik unten zeigt die optimalen Verhältnisse in einer Rasentragschicht. Besonders zu beachten ist hier das ausgeglichene Verhältnis von Bodenluft (Grobporen) zu Bodenwasser (Feinporen). Denn nur wenn diese Verteilung stimmt, also ausreichend viel Luft im Boden vorhanden ist, weisen Gräser ein optimales Wurzelwachstum vor. Um ein ausgewogenes Wasser-Luft-Verhältnis dauerhaft zu erreichen, sind mechanische Bodenbearbeitungsmaßnahmen von größter Bedeutung. Die wichtigsten sollen hier näher behandelt werden.

Gängige Maßnahmen der Bodenzusammensetzung

  • Vertikutieren
  • Aerifizieren
  • Tiefenlockerung

Vertikutieren

Vertikutieren bedeutet senkrechtes (vertikales) Schneiden (Bild) Hierbei wird der Rasenfilz zerschnitten und teilweise an die Oberfläche transportiert. Der Boden selbst wird nicht bearbeitet. Es handelt sich also nicht um eine Maßnahme zur Bodenlüftung im eigentlichen Sinne. Dennoch ist das Vertikutieren von essentieller Bedeutung für ein gesundes Gräserwachstum.

Grundsätzlich kann das ganze Jahr über vertikutiert werden. Allerdings sollte der Boden feucht aber nicht nass sein, da sonst größere Stücke einfach herausgerissen werden können. Vorgenommen werden sollte diese Arbeit min. einmal pro Jahr, besser zwei- bis dreimal. Als Maßnahme zur Bekämpfung von Rasenfilz sei hier auch das Striegeln genannt. Dabei handelt es sich um eine sehr einfache aber wirkungsvolle Art, das Filzmaterial oberflächlich zu entfernen. Diese Arbeit kann mehrmals im Jahr vorgenommen werden, da hierdurch keine größeren Schäden entstehen, die den Spielbetrieb stören könnten und Rasenfilz kann sich nicht so schnell aufbauen.

Aerifizieren

Unter aerifizieren versteht man das Zuführen von Luft in die Rasentragschicht. Hierzu kommen verschiedene Werkzeuge zur Anwendung, die grob in Hohl- und Vollspoons (Stacheln) eingeteilt werden können.

Warum sollte aerifiziert werden?
Durch die mechanischen Belastungen, wie das Bespielen oder Befahren des Rasens, kommt es unweigerlich zu Verdichtungen. Diese treten zunächst in Oberflächennähe auf und wandern schließlich in immer tiefere Schichten. Wo der Boden verdichtet ist, sind kaum mehr lufthaltige Grobporen vorhanden und es mangelt an dem für Bodenbakterien und Wurzeln so wichtigen Sauerstoff. Als Folge tritt häufig eine Erscheinung namens Black Layer auf. Bei Black Layer handelt es sich um schwarze Schichten oder Taschen mit dem typischen Geruch nach faulen Eiern. Verantwortlich für diesen Geruch ist Schwefelwasserstoff (H2S). Dieses toxische Gas entsteht unter anaeroben Bedingungen aus Schwefel und Wasserstoff,
wobei Schwefel- und Fäulnisbakterien Proteine aus schwefelhaltigen Aminosäuren zersetzen. Schwefelwasserstoff ist auch für die Gräserwurzeln in schon geringen Mengen hoch giftig. Ein Durchwurzeln dieser oft schon in Oberflächennähe lagernden Schichten ist daher ausgeschlossen.

Vollspoons stoßen lediglich Löcher in den Boden, wodurch Luft besser an den entsprechenden Stellen in den Boden eindringen kann. Allerdings arbeiten diese Werkzeuge nach dem Verdrängungsprinzip und zwischen den Löchern ist eine leichte Verdichtung unumgänglich. Darum ist von einer ausschließlichen Verwendung dieser Vollspoons abzuraten.

Mit Hohlspoons wird ein weit größerer Belüftungseffekt erzielt, denn hier zieht jeder Stachel einen Pfropfen aus dem Boden heraus. Dieses Material sollte abgesammelt und die Löcher mit speziellem Sand gefüllt werden. Die Anzahl der Löcher richtet sich nach dem verwendeten Durchmesser der Stacheln. Bei 10-15 mm Durchmesser sollten mindestens 200 Löcher pro Quadratmeter gestochen werden. Die Bearbeitungstiefe sollte bei 5-10 cm liegen.

Die Beschaffenheit des Sandes sowie sein pH- Wert hängen von der Rasentragschicht (RTS) vor Ort ab. Auf jeden Fall muss der Sand gewaschen sein. Damit wird das Einbringen von verschlämmenden Feinanteilen in den Boden ausgeschlossen.

Die Menge zum Verfüllen der Aerifizierlöcher richtet sich nach Anzahl, Durchmesser sowie der Tiefe der Löcher. Zum Veranschaulichen: Für das Verfüllen von 200 Löchern/m² mit Spoons von 10 mm Durchmesser und einer Arbeitstiefe von 10 cm würden für einen Sportplatz mit 7.000 m² knapp 20 to Sand benötigt.

Tiefenlockerung

Auch wenn in regelmäßigen Abständen aerifiziert wird, treten Verdichtungshorizonte im Boden auf. Diese befinden sich dann nicht direkt unter der Oberfläche sondern in tieferen Regionen um 20-30 cm oder noch tiefer. Hier reicht das normale Aerifizieren nicht mehr aus. Um die Sperrschicht zu durchbrechen und wieder für eine gute Drainage zu sorgen, bedarf es der Tiefenlockerung mit dem Vertidrain oder Terra Spike. Damit sind Bearbeitungstiefen zwischen 30 und 40 cm möglich. Je nach Belastungsintensität und Bodenart ist die Tiefenlockerung alle zwei bis drei Jahre notwendig. In regelmäßigen Abständen sollte der Boden mit dem Handpenetrometer auf Verdichtungen geprüft und anschließend entsprechend gehandelt werden.

Fazit

Ein dichter und strapazierfähiger Rasen hängt von vielen Faktoren ab. Einer der wichtigsten ist die mechanische Bodenbearbeitung. Nur wenn die genannten Maßnahmen regelmäßig durchgeführt werden, ist eine dauerhafte Erhaltung der Spielflächenqualität möglich. Die Regelmäßigkeit spart letztlich auch bares Geld. Denn extrem kostenintensive Maßnahmen zur Sanierung oder für die Neuanlage sind dann nicht notwendig.