Haben einzelne Gräser unterschiedliche Ansprüche an die Nährstoffversorgung?

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Haben einzelne Gräser unterschiedliche Ansprüche an die Nährstoffversorgung?

Schaut man sich die allgemeinen Düngevorschriften an, so könnte man davon ausgehen, dass alle Gräser dieselben Nährstoffansprüche besitzen. Fairerweise muss man jedoch sagen, dass die meisten Düngeempfehlungen für Sportrasen existieren. In diesen Rasenmischungen dominieren i.d.R. die Gräserarten wie Lolium perenne und Poa pratensis.
Bei Fairwaymischungen und bei Wohn- und Gebrauchsrasenmischungen können aber auch noch ein nicht geringer Anteil an Festuca rubra und Agrostis-Arten enthalten sein.

Die Frage ist nun, kann man alle Rasenansaaten mit dem gleichen Dünge-Management versorgen oder müsste man doch mehr Rücksicht auf die darin enthaltenen Gräsersorten nehmen. Speziell bei der Ansaat mit ca. jeweils 50% Lolium perenne und Poa pratensis hört man immer wieder, dass nach ca. 3-4 Jahren die Rasennarbe kaum noch Poa pratensis enthält. Meist wird daraus geschlossen, dass Poa pratensis nicht belastbar wäre. Schaut man sich dagegen reine Poa pratensis Sportrasenansaaten an, so besitzen diese bei sachgerechter Pflege auch noch nach Jahren eine sehr gute und dichte Rasennarbe. Daher stellt sich die Frage, könnte der Rückgang der Poa pratensis in Beständen mit Lolium perenne nicht eventuell auch auf eine unsachgemäße Pflege zurückzuführen sein? Besitzt die Poa pratensis eventuell andere Pflegeansprüche, insbesondere ein anderes Düngermanagement? Von Rollrasenbetrieben wissen wir aus der Praxis, dass diese Betriebe ihre Poa pratensis dominierenden Ansaaten mit ca. 1/3 höherem Stickstoffniveau versorgen, als Lolium perenne dominierende Bestände. Dieser Hinweis aus der Praxis scheint ein interessanter Ansatz zu sein, zu hinterfragen, ob wir unsere Rasenflächen eventuell zu sehr nach „Schema F“ mit Nährstoffen versorgen. Nicht nur von der Menge, sondern auch vom Zeitpunkt aus betrachtet.

Wir wollen dabei weniger das Augenmerk auf das Verhältnis der Nährstoffe untereinander legen, sondern vielmehr auf das Niveau des Levels. Was die einzelnen Nährstoffe in den Gräsern bewirken ist hinreichend bekannt und geht aus der nachfolgenden Tabelle hervor.

Nährstoffniveau in Abhängigkeit von der Gräsersorte

Die heutigen Gräsersorten, die wir für unsere Rasenmischungen einsetzen, sind alles Hochleistungsgräser, die entsprechend versorgt werden wollen. Sie können ihr Leistungsmaximum nur dann entfalten, wenn sie bedarfsgerecht gedüngt werden. Die folgende Tabelle verdeutlicht die unterschiedlichen Nährstoffansprüche der einzelnen Gräserarten bei unterschiedlicher Belastung.

Im Landschaftsrasen werden weniger hoch qualitative Gräsersorten eingesetzt. Wegen der geringen Belastung wird sich das Nährstoffniveau somit in Grenzen halten. Bei Rasenflächen
wie Fußballrasen, Fairways, Tees und Greens sind trotz der z.T. enormen Belastung optisch und funktionell einwandfreie Rasennarben erwünscht. Bei Festuca rubra sp. spricht man i.d.R. von einer extensiven Gräserart, mit niedrigen Nährstoffansprüchen. Bei belasteten Festuca rubra sp. Flächen, wie Festuca-Greens sind für eine geschlossene Narbe mit hoher Belastbarkeit zwischen 20 bis 30 g N/m² erforderlich. In diesem Fall kann man nicht mehr von einer extensiven Gräserart sprechen.

Wie oben schon erwähnt, besitzt Poa pratensis bei entsprechender Belastung einen höheren Nährstoffbedarf als Lolium perenne. Dies mag sehr wahrscheinlich auch an der intensiven Rhizombildung (unterirdischer Sproß) liegen, die Lolium perenne als horstbildende Gräser nicht haben. Auch Festuca arundinacea scheint nach unseren Erfahrungen aus der Praxis
einen höheren Nährstoffbedarf als Lolium zu besitzen.

Was passiert nun, wenn wir Mischungen haben, die sowohl Gräser mit etwas niedrigem und etwas höherem Nährstoffanspruch haben? Eine Folge davon könnte sein, dass die Gräser mit dem niedrigen Nährstoffanspruch durch das höhere Nährstoffangebot schneller wachsen und die anderen überflügeln. Eine andere Auswirkung könnte sein, dass sich die Gräser mit dem höheren Nährstoffanspruch besser in der Rasennarbe durchsetzen und dominant sind. Wichtig dabei ist, dass man nur solche Gräsermischungen zusammenstellt, die auch miteinander harmonieren. Dies bedeutet aber nicht, dass eine Gräsermischung bestehend aus Top-Sorten auch eine Top-Mischung ergeben muss. Meist ist es sinnvoller ein paar gute Top-Sorten mit mehreren mittelguten Sorten zu einer Mischung zusammen zu stellen. Zumindest haben dies erste Untersuchungen ergeben, bei denen man geprüft hat, welche Mischungspartner harmonieren.

Zeitpunkt der Nährstoffgaben

Nicht nur das Niveau, sondern auch der Zeitpunkt der einzelnen Nährstoffgaben ist eine Philosophie für sich. Lassen wir die Greens mal außen vor und widmen uns ausschließlich den Sportrasenflächen sowie dem Wohn- und Gebrauchsrasen. Der letztgenannte wird in der Praxis entweder ein Mal pro Saison gedüngt oder maximal drei Mal im Jahr. Bei Rasenflächen mit Bewässerung sind i.d.R. bis zu vier Applikationen üblich.

Der in der folgenden Tabelle aufgeführte Nährstoffplan dürfte bei fast allen Rasengräsern zutreffend sein, bis auf Festuca arundinacea. Nach langjährigen Erfahrungen aus den USA empfiehlt sich bei diesen Gräsern mindestens zwei, besser drei Nährstoffgaben in selber Höhe vorzunehmen. Bei Festuca arundinacea Ansaaten, die i.d.R. aus mindestens 70% dieser Gräserart bestehen, sollte man auf eine Sommerdüngung im Juni verzichten.

Diese wäre nur unter bestimmten Umständen, wie hohe Belastung und zur Narbenregeneration in einer Höhe von ca. 3 -5 g N/m² erforderlich. Viel wichtiger als bei den übrigen Gräserarten ist bei Festuca arundinacea die späte Nährstoffgabe kurz vor Saisonende. Diese sollte so spät wie möglich erfolgen, damit diese Gräserart nicht in die Dormanz
geht und schnell im Frühjahr wieder startet.

* Die Gesamtmenge Stickstoff pro Jahr entsprechend der Applikationen splitten. Keine schnell verfügbare Stickstoffform verwenden

** Anwendungen, spät in der Saison sollten ca. 1 Woche vor dem letzten Schnitt erfolgen.

Fazit

Nach bisherigen Erfahrungen aus Versuchen und aus der Praxis benötigen die einzelnen Gräserarten durchaus ein speziell abgestimmtes Nährstoffmanagement. Dabei ist nicht nur die Höhe der Nährstoffgabe, sondern auch der Zeitpunkt entscheidend.