Agrostis stolonifera-Züchtung und -Produktion

13 April 2021
  • Whastsapp

Agrostis stolonifera-Züchtung und -Produktion

Der Bedarf europäischer Golfclubs an neuen und leistungsfähigeren Agrostis-Sorten steigt kontinuierlich an. Sie bilden eine der Grundlagen, um den Anforderungen des integrierten Pflegemanagements gerecht zu werden. In jüngster Zeit kam eine Vielzahl neuer Sorten auf den Markt. Doch welche Herausforderungen gilt es zu meistern, damit den Greenkeepern diese Innovationen zur Verfügung gestellt werden können?

Auf Versuchsflächen wird das Flechtstraußgras fortlaufend weiterentwickelt.

Die Züchtung von Flechtstraußgras

Traditionelle Strategien in der Pflanzenzüchtung setzen auf die Hybridisierung von vorselektierten Sorten unter Zuhilfenahme ausgewählter Wildsorten. Mit diesem Verfahren wird die Einengung des Genpools verhindert und die genetische Vielfalt erweitert. Erwünschte Eigenschaften werden beibehalten und sich zu Nutze gemacht. Zahlreiche Züchtungsprogramme basieren auf dieser Vorgehensweise. Im Laufe der vergangenen 30 Jahre konnten Pflanzenzüchter mit dieser Methode die Leistungsfähigkeit verschiedener Rasengräser in vielerlei Hinsicht erhöhen.

Die Hybridisierungstechnik erweist sich jedoch bei Flechtstaußgräsern als problematisch. Auf Grund der Komplexität und der teils erheblichen Unterschiede hinsichtlich der Ploidie zwischen den einzelnen Sorten, führt die Einkreuzung wilder Varianten hier eher zu einem Rückschritt, da sich unerwünschte Eigenschaften sehr leicht übertragen.

Agrostis in der Nahaufnahme – für Golfanlagen eine der wichtigsten Grasarten

Auf Golfplätzen gehört Agrostis zu den am häufigsten genutzten Arten. Speziell auf Greens aber auch hin und wieder auf Abschlägen und Fairways. Es handelt sich um eine äußerst anpassungsfähige Art, die sich durch Ausläufer verbreitet und Lücken in den Beständen sehr schnell wieder schließt. Jedoch ist die Art für verschiedene Pilzerkrankungen wie Schneeschimmel, Typhula- Fäule, Dollar Spot und andere sehr anfällig. Daher gehört das Kriterium der Krankheitstoleranz bei Agrostis für Züchter zu den wesentlichen Schwerpunkten. In den vergangenen Jahren konnten zum Teil signifikante Erhöhungen der Krankheitstoleranzen gegenüber diversen Pilzerkrankungen erreicht und so der Bedarf an Fungiziden reduziert werden.

Die hohe Keimfähigkeit und der aufrechte Wuchs gehören ebenso zu den erstrebenswerten Eigenschaften wie eine hohe Toleranz gegenüber Hitze, Trockenheit und mechanischer Belastung. Zusammenfassend führen diese Züchtungsziele zu Sorten, die mit einer Vielzahl umwelt- und spielbedingter Einflüsse besser zurechtkommen.

Großflächiger Anbau des gerade auch für Golfanlagen so wichtigen
Flechtsstraußgrases

Saatgutproduktion von Agrostis stolonifera

Die Züchtung einer Hochleistungssorte ist zweifelsfrei eine Herausforderung. Eine weitere besteht darin, reines Saatgut zu produzieren. Nahezu die gesamte Produktion des Agrostis- Saatgutes findet in den USA, Willamette Valley/ Oregon statt. Die Anzahl der produzierenden Landwirte ist dabei bemerkenswert gering. Um den extrem hohen Qualitätsansprüchen zu entsprechen, erzeugen sie durchgängig fremdsorten- und unkrautfreie Saatgutpartien.

Die Produktion von Agrostis stolonifera ist äußerst anspruchsvoll. Mit 15 Millionen Körnchen pro Kilogramm sind die Samen extrem klein. Dies erschwert das Entfernen der zahlreichen Verunreinigungen durch beispielsweise Fremdsamen erheblich. Ferner kommt hinzu, dass nur sehr wenige Herbizidein der Saatgutproduktion zugelassen sind. Aus diesen Gründen sind die Erzeuger in hohem Maße auf Handarbeit angewiesen. Sie setzen Teams ein, die während der Anbausaison fünf bis zehnmal die Felder abgehen und einzelne Wildpflanzen mit einem Herbizid besprühen oder Unkräuter hacken, um so die Produktionsflächen bis zur Ernte unkrautfrei zu halten.