Seetang-Projekt: Bio-Kontrolle von Nematoden

11 Juli 2019
  • Whastsapp

ICL startet gemeinsam mit dem Royal Holloway College der Universität London ein einzigartiges vierjähriges Forschungsprojekt zur Wirkung von Seetang auf pflanzenparasitäre Nematoden in Rasen. Das Projekt wird vom britischen Biotechnology and Biological Sciences Research Council (BBSRC) und ICL finanziert.

„Die Idee zu dem Projekt entstand vor einigen Jahren bei einem Gespräch mit Andy Owen (ICL International Technical Manager) auf einem Greenkeeper-Meeting“, erinnert sich Alan Gange, Professor für mikrobielle Ökologie am Royal Holloway College. „Wir sprachen über die Notwendigkeit der Rasenforschung mit speziellem Fokus auf Nematoden, weil sich die Greenkeeper und Platzwarte in den letzten zehn Jahren zunehmend dieses wachsenden Problems bewusst geworden sind.“

Alan glaubt, dass der wachsende Nematodenbefall auf den Verlust bestimmter chemischer Stoffe und den Klimawandel zurückzuführen ist. Zurzeit stehen Rasenmanagern bei einem Nematodenbefall nur wenige Möglichkeiten offen und Alan glaubt, dass Seetang eine nachhaltige Lösung darstellen könnte.

„Es gibt vereinzelte Berichte darüber, dass Seetangprodukte oder -extrakte verschiedene chemische Stoffe enthalten, die Pflanzen vor Schädlingen und Krankheiten schützen können. Wenn man nun die richtige Algenart auf eine Graspflanze aufträgt, könnte sie das widerstandsfähiger gegen Krankheiten und Insektenbefall machen. Durch Seetangprodukte könnte also eine Nematodeninfektion eingedämmt werden. Und genau darum geht es bei unserer Arbeit für Sportrasen. Vor einer Weile fragte mich jemand, ob wir Antibiotika für Pflanzen entwickeln. Auf gewisse Weise stimmt das – wir versuchen ja, die natürlichen Abwehrmechanismen der Pflanze zu nutzen und zu verbessern.“

SeaMax

SeaMax (klicken Sie hier) wird sehr erfolgreich als Biostimulant und Dünger für Sportrasen eingesetzt. Das Produkt enthält einen besonders hohen Extraktanteil des atlantischen Knotentangs Ascophyllum nodosum , der von Acadian Seaplants nachhaltig aus erneuerbaren Quellen geerntet wird. „Wir haben bereits viele Vorteile von SeaMax für die Rasenpflege belegt“, erklärt Andy Owen. „Jetzt möchten wir seine Eigenschaften mit einem umfangreicheren Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Royal Holloway College näher untersuchen.“

Nach einem strengeren Auswahlverfahren fiel die Wahl auf die Studentin Tamsin Williams, die nun eine zentrale Rolle für das Forschungsprojekt spielt. Tamsin wird während der gesamten vier Jahre mit ICL arbeiten, um die kommerzielle Seite der Sportrasenpflege besser zu verstehen. Sie ist der festen Überzeugung, dass dieses Stipendium der perfekte Einstieg für eine Karriere in der Forschung ist.

„In meinem letzten Projekt habe ich an der biologischen Kontrolle von Krankheitserregern und Insekten mit Bio-Fungiziden gearbeitet. Ich habe auch schon Erfahrung mit pflanzenparasitären Nematoden. Als ich also erfuhr, dass es bei diesem Projekt um die Biokontrolle von Nematoden geht, wusste ich sofort, dass dieses Projekt wie für mich gemacht ist. Die Nematologie gehört zu meinen Hauptinteressen. Ich bin aber auch begeistert von dem Umstand, dass Seetang-Produkte nachhaltig sind. Wir könnten eine umweltfreundliche Lösung für ein ernsthaftes Rasenproblem finden, die sich eventuell sogar auf andere Pflanzen übertragen lässt. Deshalb ist diese Forschung sehr wichtig.“

Experimente

Tamsin hat bereits mit den ersten Experimenten begonnen. Sie erforscht zurzeit, wie Pflanzen und Bodenmikroben auf SeaMax reagieren. Später wird sie auch pflanzenparasitäre Nematoden untersuchen. Laut Andy Owen sind das aber nur die ersten Schritte in einem Projekt, das sich immer weiter entwickelt.

„Wir starten mit einem Wirksamkeitsnachweis, um weitere Belege dafür zu sammeln, dass das tatsächlich funktioniert. In den nächsten Jahren liegt der Fokus auf der Erforschung der Wirkungsprinzipien. Danach werden wir die Verhältnisse, die Zeitpunkte und die Frequenz der Anwendung optimieren, um den Nutzern korrekte Informationen liefern zu können.

Hoffentlich legt dieses Projekt die Forschungsgrundlagen, um Rasenmanagern zu zeigen, dass bestimmte Ansätze die Widerstandskraft der Pflanzen gegen Schädlinge und Krankheiten unterstützen und stärken können und dass man dafür gar nicht unbedingt chemische Mittel benötigt“, fügt Alan hinzu. „Letztendlich möchten wir einen nachhaltigen und integralen Managementansatz bieten, um Flächen gesund zu erhalten."

Als Ökologe beobachte ich mit Sorge, dass viele biologische Rasenprodukte, die Mikroben enthalten, ohne oder mit nur wenig unterstützender Forschung vermarktet werden. Es gibt keine Publikationen in Peer-Review-Zeitschriften, weshalb man den meisten Produkten nicht wirklich vertraut. Man weiß einfach nicht, ob eine unabhängige Studie durchgeführt wurde. ICL hingegen möchte wirklich mehr über seine eigenen Produkte erfahren und verpflichtet sich selbst zur Forschung.“

Andy bestätigt Alans Gedanken und dass ICL versuchen wird, diese Arbeit soweit möglich zu veröffentlichen und die Daten offen auf verschiedenen Events zu präsentieren. Die Industrie wird im Januar 2019 mehr über das Projekt erfahren, wenn Alans Forschungsgruppe es im „Continue to Learn“ Programm auf der BTME vorstellen wird. „Wir wollen, dass unsere Produkte auf solider Forschung basieren und dass unsere Angaben immer fundiert sind“, erzählt er. Wenn jemand mehr erfahren möchte, ist er oder sie herzlich nächstes Jahr zur BTME in Harrogate eingeladen.

„Wir sind wirklich froh über die Zusammenarbeit mit dem Royal Holloway College an diesem Projekt. Wir suchen immer nach Möglichkeiten, unsere Produkte mit unabhängigen Studien zu untersuchen. Leider gibt es das nicht sehr häufig in der Rasenindustrie. Ich bin gespannt, wie sich das entwickeln wird.“